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01.09.2011 10:10
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Hier ist Waschen besonders

Von Martine Krause

„Soll ich mal erzählen, wie man früher gewaschen hat?“, fragt Christa Hammelmaier (64). Auch die Augen von Brigitte Erbe (71) leuchten: „Ich bin immer Feuer und Flamme, das Waschhaus zu präsentieren“, sagt sie und das ist zu spüren. Beide sind in der Siedlung Weegerhof in Höhscheid aufgewachsen. In den 1920ern wurde sie gebaut und beherbergt das heute einzige Waschhaus Deutschlands.

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Etwa vier Meter hoch ist die Decke des eingeschossigen Baus. Durch die darin eingelassenen Glasbausteine strömt Licht herein. Schwarze und weiße Fliesen markieren den Eingangsbereich. 650 Familien wohnten früher in der Siedlung des Spar- und Bauvereins. Facharbeiter, kleine Angestellte, Lehrer, selbstständige Schleifer. Fortschritt erlebten sie nicht nur dank Kühlschrank, Gasdurchlauferhitzer und einem eigenen Garten.

Nach drei Stunden schrankfertige Wäsche mit nach Hause nehmen

Statt einer Woche brauchte man am Weegerhof nur drei Stunden, bis die Wäsche schrankfertig war. Statt kohlebeheizter Bottiche gab es Waschmaschinen, einen elektrisch betriebenen Trockenraum und Mangeln. Um 7, 11 oder 14 Uhr war Wasch-Schichtbeginn. Ein Waschmeister teilte die Bewohner dafür ein. Auf Bollerwagen wurde der Wäscheberg alle sechs bis sieben Wochen zum Waschhaus gefahren. Als erstes ging es zur Waage. Wer mehr Wäsche hatte, als ihm zustand, musste dazubezahlen.

Beim Warten Butterbrote essen –
ohne gegenseitige Hilfe ging es nicht

Die Wäschestücke kamen in Trommeln, die gut dreimal so groß wie heute sind. Dampf und Wasser wurden aus dem dafür gebohrten Brunnen per Hebel zugegeben. Während des Waschens: Unterhaltungen und Butterbrote. „Wir Kinder haben uns in die Körbe gesetzt und gegenseitig gezogen. Bei der Kokslieferung für den Heizkessel haben wir immer zugeschaut“, sagt Erbe. „Und im Trockenraum gab es einen Laufstall für uns. Wir waren immer mitten drin.“

Die Zentrifuge durfte nur der Waschmeister betätigen. In den großen Schubfächern im Trockenraum wurden Heizspiralen platziert. Und die darin aufgehangene Wäsche war schon nach 20 Minuten trocken. „Hier war eine feucht-warme Luft drin. Und immer ein Kommen und Gehen. Ohne einander zu helfen, ging es nicht“, sagt Hammelmaier im Mangelraum. Beim Anblick der vier großen, je drei Meter breiten Mangeln sagt Erbe: „Ich habe nie mehr so eine so perfekt gemangelte Tischdecke bekommen.“ Hammelmaier nickt.

Eine Waschmeisterin hilft noch heute vor allem den älteren Bewohnern mit ihrer Wäsche. Zwei moderne Waschmaschinen und Trockner sind noch täglich im Betrieb.