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07.09.2011 10:36
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O-Bus-Museum: Bus fahren wie auf Schienen

Von Martine Krause

„Hält sich oben fest“, sagt ein kleiner Junge. Er schaut den Bus an, die Stelle, an der die Stangen auf dem Dach die stromführenden Oberleitungen treffen. Solingen hat das größte O-Bus-Netz Deutschlands. Nur in Esslingen und Eberswalde fahren die liebevoll „Stangentaxi“ genannten Busse hierzulande noch.

Etwa 100 Mitglieder des 1999 gegründeten O-Bus-Museum-Vereins kümmern sich um den Erhalt und die Restaurierung der außer Dienst gestellten Busse, archivieren Bilder und Schriftstücke zu ihrer Geschichte und stellen sie aus. Belgier, Franzosen, Spanier, O-Bus-Hersteller und die Geschäftsleitung der Solinger Stadtwerke sind dabei.

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„Mit 60 km/h bergauf fahren. Da kommt kein Dieselmotor mit“, sagt Busfahrer und Vereinsmitglied Marcus Fey (43) aus Erfahrung. Der mittlerweile aus Wasserkraft gespeiste Strom zum Antrieb der Busse hat Vorteile, gerade im bergigen Solingen.

Der zweite Vereinsvorsitzende Peter Hoffmann (64) war „O-Bus-Fahrer aus Leidenschaft“ und erklärt: „Die Straßenbahn wurde nach 1945 als Störfaktor in den engen Straßen der Stadt empfunden. Das Netz der Bahn war in desolatem Zustand und die Technik verschlissen.“ Die Masten und die Stromzulieferung wurden für den O-Bus weiter genutzt, neue Leitungen wurden gezogen. Am 19. Juni 1952 fuhren die ersten Solinger O-Busse. „Geschichte vermitteln zu können, ist was ganz Besonderes“, sagt Cornelia Fey (43). Ihr achtjähriger Sohn ist das jüngste Vereinsmitglied.

Mehrere Jahre kann es dauern, um die Museumsstücke originalgetreu zu restaurieren. „Es ist schwer, Sponsoren zu finden“, sagt Hoffmann. Der Orion-Busanhänger – wegen der für ihn erteilten Rauch-Erlaubnis auch als „Raucherkugel“ bezeichnet – war bis 1962 in Betrieb. Allein die Karosserie-Aufarbeitung hat ein Jahr lang gedauert. 2012 soll er wieder auf die Straße können.

Ein Gelenkbus kommt aus der Schweiz zurück und macht technische Sorgen

Weitere Museumsstücke warten auf ihren Einsatz. 1976 wurde etwa ein Gelenkbus zu Testzwecken nach Solingen gebracht und legte danach in Bern ganze 1 625 000 km zurück, bevor die schweizerische Regierung ihn dem O-Bus-Museum 2003 schenkte. Aus der Schweiz kommt aber auch sein Problem: Für ein Bauteil der Elektrotechnikfirma Sécheron aus Genf sind keine Pläne zu finden, die Reparatur ist damit sehr schwierig.

Hindernisse sind die Vereinsmitglieder gewohnt. Über die Zukunft macht sich Hoffmann aber keine Sorgen. Er lächelt und ist sich sicher: „Die Solinger lassen sich ihren O-Bus nicht nehmen.“