UNTERSTÜTZUNG Menschen im Rollstuhl haben es oft schwer, normale Dinge zu tun.
Von Michele Debey, 9AE, Gesamtschule Solingen
Vor 13 Jahren wurde sie krank durch ihre Arbeit als Krankenschwester. Es fing mit dem rechten Knie an, bald darauf ging auch die Hüfte kaputt. Nun sitzt meine Oma schon 11 lange Jahre im Rollstuhl. Fast 3 Jahre wohnen sie und mein Opa wieder in Solingen.
Angst und das Gefühl hilflos zu sein, haben Ilona K. (59) davon abgehalten, alleine in die Stadt zu gehen. Seit sie wieder in Solingen wohnt, hat sich Ilona zum größten Teil in der Wohnung und auf der Terrasse aufgehalten. Seit diesem Sommer hat sie aber etwas Neues für sich entdeckt. Sie fährt allein in die Stadt.
Mein Opa (Rainer, 58) hat seit kurzem einen neuen Job und muss nachts arbeiten. Dementsprechend schläft er tagsüber. Ilona kann sich seitdem nur noch sehr leise beschäftigen und nimmt viel Rücksicht.
Vor einigen Tagen habe ich meine Oma von zu Hause „entführt.“ Sie kann ja nicht den ganzen Tag zu Hause sitzen und mucks mäuschenstill sein. Also bin ich mit ihr ein paar Stunden in die Stadt gegangen. Unten im Treppenhaus warte ich nur kurz auf sie, ich habe nicht gedacht, dass sie die Treppen so schnell runtergehen kann! Als wir durch die Haustüre gehen (fahren), hatten wir schon beschlossen, einen kurzen Abstecher in den Drogeriemarkt zu machen, um neue Seife und Shampoo zu kaufen.
Schon beim Verlassen des Marktes planen wir die nächste Idee. „Lass uns bitte mal nach Woolworth gehen, die Linkgasse runter“ , sagt meine Oma. Ich denke nur, ob das wohl gut geht. Doch sie fuhr ganz normal den steilen Berg runter und nicht wie ein Formel 1 Auto mit schlechtem Pilot. Das sollte nicht die einzige Sache sein, über die ich an diesem Tag staunte. Als wir unten ankommen, drehte meine Oma sich einfach um und fährt rückwärts die Hauptstraße rauf. Ganz ehrlich, das sah schon ein bisschen komisch aus, aber das stört weder sie noch mich - eben jeder so wie er kann! Sie erzählte mir, dass sie so einfacher den Berg bewältigen kann, das ist ein Trick, den sie schon länger verwendet.
Im Woolworth angekommen, suchten wir nach einem Weihnachtsgeschenk für Rainer. Meine Oma strahlt vor Glück, die ganzen schönen Sachen zu sehen und in aller Ruhe alles anzuschauen.
Mir ist ein wenig langweilig, weil ich ja schließlich jeden Tag die Warenflut anschauen kann, aber ich habe meine Freude daran, meine Oma zu beobachten. So glücklich habe ich sie lange nicht mehr gesehen. Unten im Laden ist ein Lebensmittelgeschäft, in dem wir noch unser Abendbrot einkaufen.
Meine Oma will sich gerade etwas aus einem Regal nehmen, aber sie kommt nicht dran, ein anderer Kunde bietet seine Hilfe an, aber meine Oma verneinte und sagt: „Vielen Dank, aber ich habe meine Enkelin bei mir.“ Ich wunderte mich, dass doch so viele Leute hilfsbereit sind. Als wir nach der Tour wieder zu Hause sind, bedankte sich meine Oma sehr müde, erschöpft, aber auch sehr glücklich bei mir, für den schönen Nachmittag und wir haben uns vorgenommen das bald zu wiederholen.