HAHNEKÖPPEN Der Brauch ist weit verbreitet im Bergischen.
Manfred K. (Name geändert) werden die Augen verbunden, und um uns herum wird es langsam lauter. Er wird im Kreis gedreht und ihm wird ein Säbel in die linke Hand gedrückt. Er umklammert den Säbel, als diene er als Schwert im Kampf gegen einen Drachen. Dann wankt er los, als ob er zwei Gläser zuviel Alkohol im Blut hätte. Neben mir beginnen die Leute mir laut ins Ohr zu schreien „Links, nein das andre Links!“ Schritt für Schritt nähert er sich dem Weidenkorb, der trostlos an einer Eisenstange baumelt. Unten am Korb kann man den Kopf eines toten Hahnes sehen. Noch zwei Schritte, der Geräuschpegel steigt ins Unermessliche. ,,Hau ihn!“, hört man die Schaulustigen krakeelen, als der Mann direkt vor dem Gebilde steht. Er holt aus. Das Ganze zieht sich in Zeitlupe hin. Noch eine Sekunde, dann wird der Kopf des Hahnes abgetrennt sein. Doch dann…stoppt das Video in YouTube. Denn das Ganze haben wir nicht live und in Farbe beobachte, sondern nur im Internet. Geekelt haben wir uns trotzdem. Alle Vereine, bei denen wir anfragten, ob wir mit ihnen sprechen und den Sinn des Hahneköppens erfahren könnten, hatten uns „aufgrund schlechter Presseerfahrung“ abgesagt.
Hahneköppen gehört zu den meistverbreiteten Vereinstraditionen im Bergischen Land. Und das laut der Website eines Hahneköppervereins schon seit dem Mittelalter. Der Verein sieht das Hahneköppen als tief verwurzelte Tradition mit „geschichtlichem Hintergrund“. Diese Aussage dürfte viele Leute in helle Aufregung versetzten. Denn wer es nicht kennt, dem scheint dieses Hobby etwas seltsam, wenn nicht sogar makaber. Dabei steht die benachbarte Stadt von Solingen, Haan, in einem besonderen Bezug zu diesem Thema. Denn das Wappentier dieser Stadt ist ein Hahn. Das Video, das wir uns angesehen haben, stammt von der immer im September veranstalteten Haaner Kirmes, wo sogar in aller Öffentlichkeit „geköppt“ wird.
Warum tut man so etwas? Genau das haben wir uns auch gefragt und eine Antwort auf der Website des Hahneköppervereins “Haut ihn“ gefunden: „Wieso eigentlich Hahneköppen? Und warum ein Hahneköpp-Verein? Volkskundliche Dokumentationen belegen, dass dieser Volksbrauch bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht und es sich hierbei durchaus um ein gesittetes und gesellschaftswürdiges Brauchtum handelt. Zurückverfolgt fand diese Tradition vornehmlich in Hofschaften ihren Ursprung. Es fanden Hofkirmessen statt, und anlässlich dieser Hochfeste wurden auch „Hahneköppen“ durchgeführt. Im Rahmen der fortschreitenden Industrialisierung verloren die Hofschaften gerade auch hier im „Bergischen“ ihre Urtümlichkeit, und in der Folge zogen sich generationsweise Bewohner aus den sogenannten Siedlungsgemeinschaften zurück.“
Auch wenn dieser Brauch viele Fans hat, wissen viele andere gar nicht, worum es sich dabei handelt. Das veranschaulicht eine Umfrage. 66 Prozent der Befragten konnten den Begriff „Hahneköppen“ nicht klar definieren. Der Ausruf ,,Köpft man da nicht Hähne?“, hörte man von gerade einmal 34 Prozent
Von Ariane Hickstein, Saskia Schilmann und Sarah Zeschnig, 8q, Gymnasium Vogelsang