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27.03.2012 11:08
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Uni-Vortrag: Auf Bloggen folgt leicht Mobben

Von Susanne Koch

Eine neue Macht beschäftigt Professor Dr. Volker Ronge am Medien-Horizont: die Blogger im Internet. Sie agierten wild und chaotisch. Sie seien keiner Normierung unterstellt wie die Journalisten der großen Tageszeitungen. „Auf bloggen folgt leicht mobben“, betont der Soziologe und Politikwissenschaftler. Es gebe kein disziplinierendes Eingreifen und kaum Ordnung in der Blogger-Welt. Ordnung habe aber einen moralischen Impetus. Ähnlich skeptisch betrachtet er, dass immer mehr Politiker bei Twitter verkehrten und das Medium für ihre Kommuniaktion nutzten. „Die Textmenge bei Twitter umfasst die Hälfte einer SMS. Wie soll da noch ein politischer Diskurs geführt werden?“, fragt der Referent.

„Die deutsche Presse ist
heute vertrauenswürdig“

Professor Dr. Volker Ronge eröffnete gestern Abend im Gründer- und Technologiezentrum die diesjährige Uni-Vortragsreihe in Zusammenarbeit mit dem Solinger Tageblatt. Verleger Bernhard Boll begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste und freute sich, mit dem ehemaligen Uni-Rektor einen Unterstützer der Klingenstadt begrüßen zu können. Der Soziologe und Politikwissenschaftler habe sich dafür stark gemacht, dass sich auch in Solingen ein Institut der Bergischen Universität niederlässt.

 

NÄCHSTER VORTRAG

23. APRIL Prof. Dr. Gerhard Arminger (Wirtschaftsstatistik) referiert am 23. April, 19 Uhr, im Gründer- und Technologiezentrum über „Wie gewinnen wir die Zukunft zurück? Globalisierung, Finanzkrise, gespaltene Gesellschaft – Plädoyer eines Statistikers gegen den allgemeinen Weltschmerz“. Eintritt frei.

„Ich persönlich halte die deutsche Presse heute für glaubwürdig“, betont Prof. Dr. Volker Ronge. Die überregionalen Tageszeitungen gaben sich das Postulat „überparteilich und unabhängig“. Die Medienmoral sei systemisch bedingt. Es gebe Standards für „guten Journalismus“, etwa nicht nur eine Quelle zu nutzen, sondern sich immer durch eine zweite Quelle abzusichern, Ausbildungskriterien und die Arbeit in den Redaktionen, die sich stark machen gegen Einflussnahme von Politik oder Wirtschaft. Vielfalt und Pluralismus seien wichtige Schutzfaktoren gegen Wahrheits- und Meinungsmonopole. „Hier bei uns agieren Politik, Staat und Medien unabhängig voneinander“, erklärt Ronge.

Vorstellbar seien aber auch andere Modelle, die ebenso moralisch gewertet werden müssten. Der Soziologe, der sich auch viel in Russland aufhält, erklärt, dass die Presse in Russland die Meinung der Staatsmacht wiedergibt. Prof. Dr. Volker Ronge betont: „Unter der Voraussetzung, dass die Vielfalt durch Medien erzeugt wird, die die Haltung der Oppositionsparteien widerspiegeln, ist auch das ein im moralischen Sinne funktionierendes Modell.“