FREIZEIT In Solingen gibt es nicht viele Reitwege.
An so manch einem Tag glaubt man, dass sich fast ganz Solingen in die Naherholungsgebiete drängt. Ein möglicher Grund dafür ist, dass das Reitwegenetz in Solingen nicht ausreichend groß ist und viele Reiter auf Fußwege ausweichen müssen. Warum werden dann nicht einfach neue Reitgelände erschlossen?
Das liegt an Solingens ungünstiger Topografie und wie bei so vielen Dingen am Geld. Es ist optimal, wenn Reitwege parallel zu Fußwegen laufen, so wie es auch in manchen Gebieten von Solingen der Fall ist. Doch manche Gegenden in Solingen sind dafür auch sehr unvorteilhaft. Gerade die unebene Landschaft, die den Reiz dieser Gegend ausmacht, wird hier zum Verhängnis, da sie den Wegen bestimmte Strukturen vorgibt, bei denen es fast unmöglich ist, Wege parallel zu bauen. Außerdem sind viele Grundstücke Privateigentum, über das die Stadt nicht entscheiden darf.
Trotz dieser mangelnden Anzahl an Reitwegen müssen laut §53 Absatz 3 alle Reiter für rund 30 Euro eine Reitplakette kaufen. Dieses Geld soll in die Anschaffung und Instandhaltung der Reitwege gesteckt werden. Viele Reiter finden das aufgrund der unzureichenden Anzahl der Reitwege unangemessen. Sie kaufen keine Plaketten und reiten ‚schwarz’. Dabei ist in Solingen Reiten auf ausreichend breiten Forstwegen geduldet. Doch auch das ist nicht optimal für alle. Oftmals gibt es Auseinandersetzungen zwischen Fußgängern, Radfahrern und Reitern, da ihnen einfach der Platz fehlt.
Grundsätzlich vertragen sich Reiter und Fußgänger. „Reiter sind nette Menschen“, findet Peter D. (47), der häufig im Wald joggt. Darüber freuen sich die Pferdesportler: „Bei uns Reitern ist es eine goldene Regel im Schritt an Fußgängern vorbei zu reiten und zu grüßen“, erklärte Jana M. (14), „doch es gibt natürlich immer auch Ausnahmen und Reiter, die ihre Pferde nicht unter Kontrolle haben.“ Davon können manche Spaziergänger ein Lied singen. Einige berichten von Unfällen oder brisanten Situationen mit Pferden. Sie wurden einfach umgeritten oder angerempelt. Alles in allem werden Fahrradfahrer jedoch häufig als störender empfunden. Ein Rentner bemängelte, dass diese oft geräuschlos von hinten heranführen und erst im letzten Moment klingeln würden, sodass man sich sehr beeilen müsse, ihnen aus dem Weg zu gehen. Insgesamt sind die Wege in den Solinger Wäldern oft zu stark genutzt. Jeder, der sie in seiner Freizeit besucht wäre froh über eine Entlastung dieser Situation.
Obwohl der Landschaftsbeirat schon Ende 2007 ein Konzept erstellte, das 126 km Reitwege beinhaltet und dieser schon lange im Dialog mit der örtlichen Jägerschaft und dem Verein Deutscher Freizeitreiter ist, sind momentan nur etwa 35 km Reitwege vorhanden. Martina Klause, Ansprechpartnerin der Stadtverwaltung für das Reitwegenetz konnte bestätigen, dass es wohl an Solingens Topografie liege. Trotz dieser einleuchtenden Begründung beschweren sich die Reiter: „Oft sind kaum Wege vorhanden und wenn, dann sind sie nicht gut gepflegt. Damit muss endlich Schluss sein!“