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18.02.2010 14:58
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Jugendliche und Drogen

Drogenkonsum - ein heikles Thema, das heutzutage schon fast zum Alltag gehört. Doch noch immer informieren sich viele Eltern nicht richtig und merken nicht, wenn ihre Kinder in falsche Kreise geraten. Der Konsum von Drogen oder sogar eine Abhängigkeit fängt meist über falsche Freundeskreise an. Um mehr darüber zu erfahren, besuchten wir die Drogen-Beratungsstelle Anonym e.V. in Solingen und führten ein Interview mit der Jugend- und Drogenberaterin Heidi Kamm.

Was sind die Gründe, warum Jungendlich Drogen konsumieren?

Heidi Kamm: Das ist immer ganz unter-schiedlich. Es müssen ja nicht immer zerrüttete Elternhäuser sein. Sehr oft ist es Frust oder Perspektivlosigkeit, die Jugendliche zum Konsum von Drogen bringen. Drogenkonsum ist mittlerweile ein Thema an allen Schulen. Doch auf Hauptschulen ist das Problem am weitesten verbreitet. Viele Jugendliche haben keinen Job und fragen sich dann: Wo will ich hin? Oder: Wo kann ich überhaupt hin? Hat man we-nige Ziele? Ist man ein Ja-Sager? Ich möchte heutzutage ehrlich gesagt kein Jugendlicher mehr sein. Man steht schon unter enormem Leistungsdruck. Wenn man dann auch noch Druck in der Schule, bei bestimmten Hobbys oder in der Familie hat und mit den Problemen nicht alleine fertig wird, ist man schon eher gefährdet, abhängig zu werden. Manche möchten aus dem Alltagstrott fliehen und suchen den so genannten Kick und dann kommen sehr oft auch die illegalen Drogen ins Spiel.

In welchem Alter kommen Jugendliche mit Drogen in Kontakt?

Kamm: Mit etwa 14 bis 15 Jahren kommt man durchschnittlich zum ersten Mal mit Drogen in Kontakt. Ich hatte hier schon einen Jungen, der mit 9 Jahren sei-nen ersten Kontakt mit Drogen hatte. Aber das war zum Glück ein Einzelfall.

Wie kann abhängigen Jugendlichen durch die Drogenberatungsstelle geholfen werden?

Kamm: Zunächst müssen sich die Betroffenen an uns wenden, damit wir ihnen helfen können. Nur wenige kommen von selbst zur Drogenberatung. Einige kommen über die Eltern, die meisten jedoch über das Gericht. Die Eltern sollten stets versuchen, Kontakt mit ihrem Kind zu halten und ein Auge auf das zu haben, was ihr Kind tut.

Was passiert mit dem Körper bei einer Abhängigkeit und was geschieht beim Drogenentzug?

Kamm: Bei den meisten Drogen wird der Körper geschädigt. Die Organe werden angegriffen. Bei einem Entzug treten dann viele Probleme auf. Der Körper braucht die Droge und bei einem Heroinentzug beispielsweise treten heftiges Zittern, Muskelkrämpfe und starkes Schwitzen auf. Ein solcher Entzug dauert etwa 4 Tage. Cannabis baut sich nur sehr langsam ab und wenn man mit dem Rauchen aufhören will, muss der Körper erst wieder lernen, die Glückshormone, die beim Rauchen ausgeschüttet werden, selbst zu produzieren und somit die psychische Befindlichkeit wieder zu steuern. Genauso bei Extasy. Beim Konsum der meisten Drogen werden so genannte Glückshormone in Massen ausgeschüttet. Auch ein Alkoholentzug ist nicht ungefährlich.

Die Atmung kann stark verkrampfen. Doch damit ein Entzug funktionieren kann, muss auch der Wille des Abhängigen da sein. Wenn man wirklich will, kann man es schaffen. Dabei spielen positive Perspektiven und Motivation eine wesentliche Rolle.

Können Sie genauere Angaben machen bzw. gibt es auch Zahlen zu Abhängigen?

Kamm: Ich bin jetzt 37 Jahre alt und schon seit 12 Jahren Jugend- und Drogenberaterin. Natürlich gibt es keine ganz genauen Zahlen. Nicht jeder Abhängige oder Konsument ist bekannt. Manche denken vielleicht, mehr Ausländer wären betroffen, aber die Zahl hält sich in der Waage. Nach offiziellen Zahlen hatten unge-fähr 25 Prozent der bis 27-Jährigen schon mal gekifft. Etwa 60 Prozent hatten auch schon Erfah-rungen mit anderen Drogen. Die wenigsten sind abhängig. Zu unserer Beratungsstelle kommen jährlich etwa 250 Jugendliche we-gen Konsum von Cannabis. Aber wirklich abhängig sind davon nur ungefähr 25 bis 50 Leute. Pro Woche kommen zu mir etwa 25 bis 30 Jugendliche. Manche davon, die ihre Probleme nicht sehen oder sehen wollen, kommen dann eine Zeit nicht mehr, aber dann sehen sie es manchmal doch ein und kommen wieder. Ungefähr 90 Prozent der jungen Leute, die zu mir kommen sind männlich. Vielleicht haben Mädchen ja nicht so sehr das Verlangen, cool zu sein.

Wie können Sie den Abhängigen kurzfristig helfen und was kann zur Prävention getan werden?

Kamm: Die meisten behandeln wir hier ambulant, einmal wöchentlich. Doch manche müssen auch stationär behandelt werden. Das geschieht dann sechs Monate in geschützter Umgebung. Die Jugend- und Drogenberatung anonym e.V. ist eine sehr gute Anlaufstelle für Drogenabhängige. Aber natürlich ist es immer noch am besten, gar nicht erst mit dem Drogenkonsum zu beginnen. Dazu bieten wir Präventionskur-se an, die auch sehr häufig von den Solinger Schulen genutzt werden.

Weitere, interessante Informationen erhalten Sie unter:

http://drugcom.de

Von Lisa Kleban und Melanie Krieter, 8e, Humboldt Gymnasium ZiSch