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18.02.2010 14:49
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„Der Reiseführer“

Der Rauch der Zigarette zieht in kleinen, weißen Wölkchen aus dem offenen Fenster. Es ist kalt geworden. Zwei Tage ist es nun schon her, dass sie beide ankamen im l‘Hôtel „Jeff“.

Eine schöne Woche Paris sollte es werden. Bis jetzt waren es zwei schreckliche Tage. Unter dem geöffneten Fenster sieht man das Treiben aus den Straßen von Paris. Alle fünf Minuten hörte man einen neuen Zug einfahren. Schrecklicher Lärm. Man gewöhnt sich an alles.

Schön, romantisch, liebevoll sollte es werden. Marie liest. Das geht nun schon die ganze Zeit so. Er glaubt, es sei ein Reiseführer über Paris. Langsam nähert sich die Zigarette dem Ende. Er schnippt sie aus dem Fenster und dreht sich zu seiner Frau um. Sie blickt ihn an, sie muss ihn wohl schon eine ganze Zeit angesehen haben, denn sie errötet und blickt zu Boden. „Ich finde, wir sollten uns langsam aus dem Hotel trauen“, flüsterte sie schon fast. „Die große Stadt wird uns schon nicht auffressen, Jean.“

Sie blicken sich lange in die Augen. Dann dreht er sich wieder um, blickt diesmal in die Ferne, unbestimmt. Sie beginnt wieder zu lesen. Das merkt er, weil er hört, wie sie die Seiten des Buches umschlägt. Erst langsam, dann immer schneller, schneller und schneller.

Sie klappt das Buch zu, steht energisch auf und zieht sich die Kleider aus. Er dreht sich nicht um, nimmt aber jedes winzigste Geräusch wahr. Sie wühlt in ihren Anziehsachen, nackt, so wie sie sein muss. Er lauscht nur. Sie nimmt ihre Anziehsachen, geht ins Bad. Man hört die Dusche gluckern und glucksen. Er steht einfach nur da.

„Vielleicht habe ich wirklich Angst, Angst, dass mich die alte Geschichte wieder einholt, Angst, dass Paris mich wieder einholt. Paris, Paris, verdammtes Paris“, denkt er. Erst dann bemerkt er, dass er das letze „Paris“ laut geschrien hat.

Er packt seinen Mantel, seinen Hut und verlässt endlich das Hotelzimmer.

Von Lisanne Rickert, 10a, Geschwister-Scholl-Schule

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