WAHLKAMPF Grünen-Vorsitzende Claudia Roth ließ gestern ihre Seele im Leichlinger Sinneswald baumeln.
Von Karl-Rainer Broch
Leichlingen. Es war kein Wahlkampfauftritt der „normalen Art“, den die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen gestern Nachmittag in Leichlingen auf dem Weg von Siegburg nach Essen mit Tages-Endstation Köln in Leichlingen bestritt.
„Torheiten“ als politische Kunst und eine Menge Wahlkampfaussagen
Landtagskandidat Harald Wolfert, Vorstandssprecher des Rheinisch-Bergischen Kreisverbandes der Grünen, erläuterte die Idee, der Politikerin bei ihrer Stippvisite in der Blütenstadt etwas Erholung zu gönnen: „Im Sinneswald im Murbachtal kann sie die Seele baumeln lassen, den Akku für den restlichen Tag aufladen und gleichzeitig Kunst und Kultur auf sich wirken lassen.“ Die Führung übernahmen die Sinneswald-Macher Wicze Braun und Wolfgang Brudes, die zurzeit die neue Ausstellung „Torheiten“ vorbereiten. Eröffnet wird sie am Tag der Landtagswahl, am 9. Mai.
Von den bereits aufgestellten Objekten zeigte sich Claudia Roth beeindruckt: „Ein schönes Zusammenspiel von Kultur und Natur.“ Maler Peter Berth erläuterte das Mottobild der Ausstellung: „Eine politische Torheit bleibt selten allein.“ Das auf Plexiglas gemalte Kunstwerk zeigt rissige Köpfe, die in verschiedene Richtungen blicken. Bei der Farb-auswahl berücksichtigte er alle möglichen Koalitionen: „Die Betrachter sollen zum Nachdenken angeregt werden.“
Im alten Steinbruch in der Wietsche wurde es dann doch politisch. Claudia Roth sprach Ministerpräsident Jürgen Rüttgers glatt die Kompetenz ab, mit Schwarz-Gelb weiterregieren zu wollen: „Rüttgers fährt die Klimapolitik vor die Wand, sein grünes Mäntele ist innen schwarz.“
Den Parteifreunden im Rheinisch-Bergischen Kreis machte sie Mut: „Wir werden alles daran setzen, um zweistellig zu werden.“ Den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen („Ich habe 1985 in Bonn angefangen!“) führt sie mit Vehemenz, weil ihre Partei einen Wechsel in NRW anstrebt, um damit eine andere Mehrheit im Bundesrat zu erreichen: „Dann gibt es auch in der Atompolitik einen Wechsel.“
Eine Lanze für die hoch verschuldeten Kommunen brach sie auch: „Die Kommunen am Rande des Abgrundes, das muss aufhören. Die verrückte, wahnsinnige Steuerpolitik der Regierung muss ebenfalls gestoppt werden.“