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04.10.2010 10:59
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Feuerwehr-Übung: Zwei Tote bei Busunfall

Von Carolin Seidel

Es ist 9 Uhr morgens. Leichter Regen nässt den dunklen Asphaltboden, das Tageslicht ist trüb und grau. „Wir haben heute Morgen einen Verkehrsunfall zwischen einem Linienbus und einem Pkw“, erklärt Gerd Herholt, Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Solingen.

Diagnose: Mindestens eine schwerverletzte Person in dem Pkw, der Zustand der Businsassen ist aufgrund des unklaren Notrufes ungewiss. Der Frontalzusammenprall der Fahrzeuge stellt die Einsatzkräfte der Feuerwehr vor eine schwere Aufgabe. Es handelt sich um eine Extremsituation - einen sogenannten MANV („Massenanfall von Verletzten“), den die Retter zu bewältigen haben. Auch solche Situationen müssen in Übungen erprobt und die Gefahrenabwehr eingeübt werden.

Ex-Firmengelände wurde Übungsplatz

Am Samstag verwandelte sich das Außengelände der Ex-Frischdienstzentrale in Stöcken in einen Übungsplatz, wo der Verkehrsunfall simuliert wurde. Nach Eingang des Notrufes treffen ein Einsatzwagen und ein Löschzug an der Unfallstelle ein. Jetzt wird klar, dass die außergewöhnliche Situation von den Einsatzkräften vor Ort allein nicht zu meistern ist. „Durch den Ressourcen-Mangel gerät die Taktik-Lage ins Ungleichgewicht. Eine additive Verstärkung ist notwendig. In der Frühphase herrscht reine Katastrophenmedizin“, so Rettungsdienstleiter Herholt.

Im Pkw werden drei eingeklemmte Insassen von Mitgliedern des DRK Solingen nachgestellt. Im Bus befinden sich 37 teils schwer verletzte Insassen. Zwei sind tot und bereits abgedeckt. Im 30 Sekunden-Takt sichtet der anwesende Notarzt, der jetzt die Funktion des leitenden Notarztes übernimmt, die Verletzten. Schwerverletzte (mit einer roten Patientenanhängekarte gekennzeichnet) haben Priorität, leichter Verletzte müssen zunächst warten. Nach vier Minuten treffen weitere Rettungswagen ein.

Rettung technisch und Rettung medizinisch

Jetzt werden Einzelabschnitte unterschieden: „Technische Rettung“ und „Medizinische Rettung“. Die im zerstörten Pkw eingeklemmten Insassen werden befreit, indem das Dach aufgeschnitten und nach hinten gefaltet wird. Derweil entsteht unter vollem Einsatz aller Rettungskräfte eine „Patientenablage“, wo schon eine Frau mit Oberschenkelfraktur notversorgt wurde.

In der Endphase sind 250 Einsatzkräfte vor Ort. Davon auch Kräfte der Feuerwehren Wuppertal und Remscheid. Im entstandenen Unterabschnitt „Transportorganisation“ werden einige Patienten dokumentarisch festgehalten, während andere schon auf die Fahrt in umliegende Krankenhäuser warten. „Wo haben wir eine Augenklinik?“ ruft Notärztin Elena Ziegler, als sie eine Frau mit Augenverletzung sichtet. „Das Problem ist, dass man bei solchen Ereignissen nicht den Grundschutz der Stadt aufgeben darf“, so Gerd Herholt. Gerade die additive Erweiterung - die Bildung neuer Einsatzabschnitte und das Nachrücken und Ineinandergreifen von Einsatzeinheiten - müsse immer wieder erprobt werden.