WERMELSKIRCHEN Die Australian Kelpies von Mareike Doll-Degenhardt werden bei einer Pilot-Studie in Marienheide eingesetzt.
Von Bernd Hamacher
Aus Erfahrung weiß Dr. Andreas Sobottka, dass die tiergestützte Therapie in der Arbeit mit psychisch Erkrankten helfen kann. Aber eine handfeste wissenschaftliche Studie zu dem Thema hat der leitende Oberarzt des Zentrums für Seelische Gesundheit -Klinik Marienheide dazu nicht gefunden. Die will er jetzt selbst erstellen.
Keine Placebo-Gruppen bei potenziell tödlichen Erkrankungen
Bei der Präsentation seiner Pläne mit dabei war Mareike Doll-Degenhardt. Die Wermelskirchenerin ist seit 17 Jahren in der Hundeausbildung tätig und hat sich auf die Zucht und Erziehung von Therapiehunden spezialisiert. Sie ist eine der wenigen geprüften Tiertrainerinnen im Bergischen. Einer der Gründe, warum die Wahl zur Partnerin auf die junge Frau aus der Hofschaft Haarbach (Nähe Große Dhünn Vorsperre) gefallen ist.
Eine Cross-Over-Studie will Sobottka erstellen. 60 Patienten werden über acht Wochen mit Unterstützung der Hunde therapiert. „Dieses spezielle Form wurde nötig, weil es bei einer potenziell tödlichen Erkrankung wie etwa der Depression unverantwortlich wäre, eine Placebo-Gruppe zum Vergleich heranzuziehen“, erklärte der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Also werden die Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt.
Zum Start der Untersuchung wird bei allen der Ist-Zustand ihrer Depressionen oder Angstzustände festgehalten. Die eine Gruppe wird dann herkömmlich und mit tiertherapeutischer Unterstützung behandelt, die zweite nur schulmedizinisch. Zur Halbzeit wird die Therapie getauscht. „Nach acht Wochen haben wir dann auch mit dieser geringen Stichprobe eine valide Untersuchung, die wir publizieren wollen“, erklärt Sobottka.
Auch Joachim Finklenburg, Hauptschäftsführer der Klinikum Oberberg GmbH, zu dem die Einrichtung in Marienheide gehört, war sofort von dem Vorhaben begeistert. „Das ist nicht nur gut für unsere Patienten, sondern auch wichtig für die medizinische Weiterbildung.“
Er ist sicher, dass sich mit Hilfe der Studie ein Anspruch auf tiergestützte Therapie ableiten ließe, „wenn es einen nachweisbaren Nutzen für die Patienten gibt“. Davon ist Mareike Doll-Degenhardt überzeugt. Sie hat sich für Australian Kelpies als bevorzugte Hunderasse entschieden. Diese seien nicht nur besonders einfühlsam, sondern als Hütehunde auch belastbar und extrem verspielt. „Bei uns zu Hause spielen die mit den Kindern Fußball - als Torhüter.“
Für depressive Menschen seien sie genau richtig: Sie wollten unablässig gestreichelt werden, könnten nicht genug spielen und seien nicht aufdringlich. In acht Wochen weiß Dr. Andreas Sobottka, ob seine therapeutische Erfahrung sich auch wissenschaftlich begründen lässt.