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27.03.2010 09:36
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Was tun gegen neue Nazi-Szene?

Von Lilian Muscutt

Manch einer wird sich bei schwarz-weißen Fahnen oder bunten Motiven, die an Laternenmasten und Schaufenstern insbesondere in Ohligs, Höhscheid und in der Solinger Innenstadt kleben, nichts denken. Denn noch immer ist die Annahme verbreitet, allein das Hakenkreuz sei ein Symbol des Rechtsextremismus. Dabei transportiert die extreme Rechte seit vielen Jahren menschenverachtende Inhalte über Symbole, die für Außenstehende auf den ersten Blick nicht einzuordnen sind.

Eindeutig ist immer der Hinweis auf die „AG Rheinland“, der auf vielen Aufklebern zu lesen ist. Bei der „Aktionsgruppe Rheinland“ handelt es sich um einen der regionalen Zusammenschlüsse von „Autonomen Nationalisten“ (AN).

„Freie Nationalisten Solingen“ verteilten Flugblätter

Diese gewaltbereite Szene entstand Beobachtern zufolge Mitte der 90er Jahre, der „rebellische“ Lifestyle soll gezielt Jugendliche ansprechen. Rechtsautonome kopieren Kleidungs- und Musikstile aus alternativen Jugendszenen - etwa die schwarzen Kapuzen-Pullis von Links-Autonomen oder Streetwear aus der Hardcore- und Skate-Szene.

Im Mittelpunkt stehen faschistische Bekenntnisse zum eigenen Volk, zur Rasse, die Ablehnung des Kapitalismus und die Gewalt gegen den politischen Gegner. Jugendlichen wird das Gefühl vermittelt, in der rechten Szene ihren individuellen Life-style bewahren zu können. Verschwiegen wird, dass die nationalistische Ideologie Gleichsschaltung statt Individualität bedeutet.

„Freie Nationalisten Solingen (FNSG)“ nennt sich eine Ortsgruppe der „Aktionsgemeinschaft Rheinland“, die in der Klingenstadt Anfang der Woche Flugblätter verteilte. Auf der Internetseite hetzt die FNSG zudem gegen „Kinderschänder“. Dabei wird Bezug genommen auf die Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens in Solingen.

Die Hetz-Kampagne ist jedoch im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Aktionen im gesamten Bundesgebiet zu sehen: Bei jüngsten Neonazi-Aufmärschen stand die „Todesstrafe“ für „Kinderschänder“ im Mittelpunkt, so auch bei einer Demonstration im Februar, die Autonome Nationalisten in Marl organisiert hatten. Michael Sturm von der „mobilen Beratung“ (mobim) gegen Rechtsextremismus in Münster geht davon aus, dass Neonazis in der nächsten Zeit dieses Thema verstärkt nutzen werden, um Menschen aus der Mitte der Gesellschaft für sich zu gewinnen.

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