PRIVATDETEKTIV Jeder kennt die Detektive aus diversen Krimisendungen und viele wollen ihnen nacheifern. Die Wirklichkeit zeigt aber oft ein anderes Bild.
Von Carina Schulz
Wilde Verfolgungsjagden mit quietschenden Reifen, Abhörgeräte und eine perfekte Tarnung - so stellen sich viele Leute den Beruf eines Privatdetektivs vor. Aber wie sieht der Alltag in der Realität aus? Wir haben mit Norbert Idel von der Detektei Acon gesprochen und einen Einblick in seine Arbeit bekommen.
Welche Voraussetzungen benötigt man für den Beruf des Detektivs?
Am wichtigsten sei für diesen Beruf ein „Feeling“ für Menschen und besondere Situationen, erklärt Idel. Außer dem Spürsinn brauchen die Bewerber auch Lebenserfahrung und eine solide bürgerliche Ausbildung, die man oft benötigt, um sich in eine tarnende Rolle hineinzubegeben. Dafür benötigt man auch schauspielerisches Talent. Viele Sprachen zu sprechen sei ebenfalls von Vorteil, da durch die Globalisierung auch der Beruf des Detektivs internationaler geworden sei. Eine seriöse Detektei bilde außerdem nur Leute aus, die nicht zu jung sind. Unter 25-Jährige auszubilden, bewertet Idel als leichtsinnig und verantwortungslos.
Was beinhaltet eine Ausbildung zum Privatdetektiv?
„Eigentlich dauert so eine Ausbildung ein Leben lang. Die Welt befindet sich in einem ständigen Wandel“, sagt Idel. In einer Ausbildung, bei der man meistens an der Seite eines erfahrenen Privatdetektivs lernt und diesen begleitet, beginne man damit, Personen zu observieren. Erst spät könne man selbstständig mit großen Aufträge umgehen. Wichtige Schwerpunkte im Lernprozess seien außerdem, mit dem technischen Equipment umgehen zu können und die gesetzlichen Grundlagen zu kennen.
Wie realistisch ist die Vorstellung von einem Nebenjob als Detektiv?
Idel kommentiert diese Frage mit „Quatsch! Das ist in meinem Augen unvorstellbar“. Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass unseriöse Detekteien auch Schüler einstellen, um Geld zu sparen. Das sei aber gefährlich, und auf solche Detekteien solle man sich besser nicht einlassen.
In welchen Situationen kann es auch mal gefährlich werden?
Wegen der Globalisierung haben die Detekteien heute oft mit internationalen Wirtschaftsverbrechen zu tun. Gerade diese Internationalität verursache laut Idel viele Gefahren. Als Beispiel führt er die offenen Ostgrenzen an, bei denen man sich oft mit Diebstahlsfällen beschäftige.
Welche Aufträge sind am häufigsten?
Idel erklärt, dass 80 % der Aufträge Wirtschaftskriminalität betreffen. Dabei gehe es zum Beispiel um geschützte Marken, Sabotage oder Schwarzarbeit. Früher habe man sich zum größten Teil mit privaten Angelegenheiten, zum Beispiel Vermissten- und Zeugensuchen oder Ehebruch, beschäftigt. Auch heute gebe es diese Fälle noch oft.
Wie hoch ist der Stundensatz eines Privatdetektivs durchschnittlich?
Ungefähr 75 Euro, erklärt Idel.
Mit welchen Techniken arbeiten Detektive?
„Wichtigstes Arbeitsmaterial ist für jeden Detektiv der eigene Kopf!“ Außerdem gebe es natürlich auch die übliche Ausrüstung wie Kameras. Abhörgeräte, wie man sie zum Beispiel aus dem Fernsehen kennt, seien aber in Deutschland verboten.
Halten sich Detektive wirklich immer an gesetzliche Vorgaben?
Da die Zusammenarbeit mit den Behörden und der Polizei sehr gut ist und auch bleiben soll, halte man sich an die gesetzlichen Vorgaben. Gesetzesverstöße seien tabu, weil man dafür viel zu sehr im Fokus der Behörden stehe, erläutert Idel. „Allerdings laufen wir natürlich nicht alle mit einem Heiligenschein rum. Wenn der Verdächtige auf einen privaten Garagenhof geht, gehe ich hinterher. Das könnte man dann im schlimmsten Fall als Hausfriedensbruch bewerten. Nach einer genauen Erläuterung würde das aber kein Richter machen.“
Sind Krimisendungen, die man aus dem Fernsehen kennt, realistisch?
Idels Antwort: ein klares „Nein!“ Krimisendungen, die angeblich ein realistisches Bild einer Detektei zeigen wollen, haben der Arbeit des Privatdetektivs sogar geschadet. „Viele Leute haben unrealistische Vorstellungen von unserer Arbeit bekommen, dabei sind die meisten Inhalte der Sendungen in der Realität nicht umsetzbar. Oft wären sie technisch überhaupt nicht möglich oder illegal.“ Diesen Klischee-Sendungen dürfe man auf keinen Fall Glauben schenken. „Die Wirklichkeit sieht anders aus.“
Wie kann man eine seriöse von einer unseriösen Detektei unterscheiden?
In den letzten Jahren habe sich zum Glück schon die Spreu vom Weizen getrennt, sagt Idel. Allerdings könne sich inzwischen jeder eine Internetpräsenz aufbauen, die seriös wirkt, ganz unabhängig davon, wie viel Erfahrung der Detektiv wirklich hat. Auf diese dürfe man nicht reinfallen. Die Bestandsdauer einer Detektei und ein persönlicher Eindruck würden einem meistens schon weiterhelfen. Außerdem habe man das Recht, sich nachprüfbare Referenzen vorlegen zu lassen. Auch eine transparente Honorargestaltung spricht laut Idel für eine seriöse Detektei.