SCHULE Wer mit tiefer und ruhiger Stimme spricht, kann sich besser durchsetzen, sagt Autorin Isabel García.
Das Gespräch führte Sonja Kuhl
Man steht vor der Klasse, soll ein Referat halten und bekommt vor lauter Aufregung keinen Ton heraus. Isabel García kennt das Problem, war sie doch als Kind selbst betroffen. Uns verrät sie, wie man das Referat souverän meistert.
Ein Schüler steht vor der Klasse, er hat sich vorbereitet, hat den Stoff gut drauf, kriegt aber den Mund nicht auf. Woher kommt das? Isabel García: Er hat vermutlich schlechte Erfahrungen gemacht, ist nicht redegewandt, ein Außenseiter oder steht unter emotionalem Druck. Ich kenne das sehr gut aus meiner eigenen Kindheit. Ich musste immer die Kleider meiner älteren Schwester auftragen. Das hat mich total geärgert. Ich bin von meinen Mitschülern oft gehänselt worden. Deshalb war ich in der Schule häufig sprachlos – nicht weil ich doof war. Deshalb liegt mir das Buch, das ich veröffentlicht habe, besonders am Herzen.
Ein anderer Fall: Je länger derjenige spricht, der das Referat hält, desto piepsiger wird seine Stimme. Wenn man aufgeregt ist, atmet man viel ein. Damit schraubt man sich selber hoch – und die Stimme schraubt sich mit hoch. Was kann ich denn dagegen machen, damit das nicht passiert? Zunächst einmal auf die Ausatmung konzentrieren. Eine ruhige Atmung überträgt sich vom Redner auf den Zuhörer. Und das Hirn fährt hoch. Dazu gibt es Übungen auf der CD zum Buch. Zudem kann man sich an der Tafel bewegen. Ist der Körper im Fluss, sind auch die Gedanken im Fluss. Beim Gehen kann man sich besser konzentrieren.
Zu viel Herumrennen macht die Zuhörer wahrscheinlich auch nervös. Wie stehe ich denn richtig cool vor der Klasse? An den Haaren herumspielen, am Pulli zupfen, die Hände ständig in Bewegung haben, der Blick geht von unten nach oben. So soll es natürlich nicht sein. Zu Hause kann man zusammen mit einem Freund üben, wie es nicht sein soll, indem man ganz stark übertreibt. Das ist lustig. Aber viele werden auch feststellen, dass sie das vor der Klasse wirklich machen. Es ist leichter, davon abzulassen, wenn man das mal übertrieben falsch gemacht hat und dann richtig übt: Arme locker hängen lassen, den Kopf etwas heben – aber nicht zu hochnäsig – und guten Blickkontakt zu den Mitschülern halten. Erst den Mund aufmachen, wenn man weiß, was man sagen will. Pausen machen und Pausen aushalten und sich bewusst sein, dass sich eine Pause für den Sprecher immer zehnmal länger anhört als für den Zuhörer.
In Ihrem Buch geben Sie auch der Bedeutung der Stimme viel Platz. Wie muss meine Stimme also klingen, damit ich ernst genommen werde? Das kommt auf die Situation an. Wenn ich ein Referat halte oder wenn ich mehr Taschengeld haben möchte, dann habe ich das, was ich sagen will, gut durchdacht. Die Stimme sollte entspannt klingen, weil ich will, dass man mir zuhört und weil ich weiß, dass ich das Taschengeld verdient habe. Eine entspannte Stimme ist eine tiefe Stimme. Wichtig ist auch, auf den Punkt zu sprechen, also am Ende des Satzes mit der Stimme runterzugehen. Eine hohe Stimme strahlt Hilflosigkeit aus. Das kommt bei Papi gut an, wenn ich etwas will, im Referat bei der Lehrerin aber nicht. Schlau wäre es, sich selbst bewusst wahrzunehmen. Es gibt kein Muss, sondern immer nur Dinge, die man machen kann. Wie ich wirke, kann ich am besten mit einem Freund testen oder wenn ich vor dem Spiegel übe.