NESS ZIONA 20 Schüler der Gesamtschule Solingen zu Besuch in der Partnerstadt.
Von Ariane Jäger
Anfang Februar verbrachten wir – 20 Schüler und vier Lehrer der Gesamtschule Solingen – im Rahmen eines Schüleraustausches zehn Tage in der israelischen Kleinstadt Ness Ziona in der Nähe von Tel Aviv. Wir wohnten bei Schülern der Solinger Partnerschule Menachem Begin Junior High School.
Tag 1 – Herzliches Willkommen
Gerade noch bei minus drei Grad ins Flugzeug gestiegen, hieß uns die Sonne in Tel Aviv willkommen. Die israelischen Schüler rannten uns entgegen, es gab Süßigkeiten und Fotos wurden geschossen. Dann ging es nach Hause in die Gastfamilien.
Tag 2 – Sonntags in der Schule
Der Sonntag gehört in Israel nicht zum Wochenende, deshalb gingen alle um halb neun zur Schule. Die Israelis mussten in den Unterricht, die deutschen Schüler durften für eine Stunde Comics am Computer erstellen. Dann ging es für alle Mädchen zum Zumba, das ist eine neue Tanzart, die aus verschiedenen Stilen besteht. Für die Jungs gab es eine andere Aktivität. Am Abend stand Karaoke bei einem der israelischen Mädchen auf dem Plan. Wobei sich die Jungen eher für die Musik aus dem Laptop interessiert und die Lehrer die meiste Zeit gesungen haben. Obwohl der nächste Tag anstrengend werden würde, feierten wir bis nach Mitternacht.
Tag 3 – Der traurigste Moment
Jerusalem liegt in den Bergen Israels – kalt da oben. Eigentlich stellt man sich dort Wüstengeröll vor. Aber: Je höher wir fuhren, desto mehr Nadelbäume erschienen. Unser Ausflugsleiter erzählte, dass die Bäume gepflanzt wurden, um die karge Landschaft grüner zu machen. Nach zwei Stunden Fahrt ging es zuerst nach Yad Vashem – die wohl bedeutendeste Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenverfolgung erinnert und sie wissenschaftlich dokumentiert. Es war der traurigste Moment des Ausflugs, als uns die Ausstellung gezeigt und die Qualen der Juden, die in den sogenannten Ghettos und in den Konzentrationslagern untergebracht und getötet wurden, erläutert wurden.
Später besuchten wir die Altstadt Jerusalems. Sie hat vier verschiedene Viertel. Ein christliches, ein muslimisches, ein arabisches und ein jüdisches Viertel. Sie bestehen zum größten Teil aus kleinen Gassen, in denen man sich ohne Hilfe garantiert verlaufen würde. Die Gruppe teilte sich auf, da die jüdischen Schüler nicht mit in die anderen Viertel durften. Während sie shoppen gingen, liefen wir durch die Viertel, besichtigten die Kirchen, in denen Jesus Christus seinen Kreuzweg begann und wo sein Grab liegt, und gingen auf den Basaren shoppen. Später gingen wir alle zur Klagemauer.
Tag 4 – Ness Ziona genauer ansehen
Der Dienstag begann mit einer Führung durch Ness Ziona. Man erzählte uns von der Gründung Israels und von den ersten Bewohnern Ness Zionas. Mittags kam Oberbürgermeister Norbert Feith, der sich mit einer Delegation auch in der Stadt aufhielt, in die Schule. Für sie gab es mit Yossi Shvo, dem Bürgermeister von Ness Ziona, eine Feier. Einige Schüler der Begin Junior High spielten Musikstücke, und es wurde viel geredet. Den Rest des Tages gab es Zeit zum Shoppen oder für einen Strandbesuch.
Tag 5 – Einen Tag lang Trockenfrüchte
Heute war Ausschlafen angesagt. Doch dieser 8. Februar war für die Israelis nicht irgendein Mittwoch. Er ist für Juden ein Feiertag, an dem die Natur und die Bäume geehrt werden, die als Symbol für das Leben stehen. Daher isst man nur getrocknete Früchte aller Art. An diesem Tag trafen wir Holocaustüberlebende. Über diese bewegende Begegnung berichtet Karl. gesondert am Samstag.
Tag 6 – Falafel zum Selbermachen
Heute ging es in den Norden Israels in die Stadt Haifa. Dort besichtigten wir die Hängenden Gärten der Bahai. Von diesem Friedenssymbol mitten in der Stad aus hat man einen fantastischen Blick aufs Meer. Dann besuchten wir das Drusendorf Daliat. Drusen bilden eine eigenständige Religionsgemeinschaft. Mehr als 100 000 leben in Israel. Danach gab es bei einer Familie Falafel zum Selbermachen und eine kleine Shoppingtour.
Tag 7 – Napoleons Kirche
Wir trafen uns in Jaffa, das direkt mit Tel Aviv verbunden ist, und erkundeten die Hafenstadt mit der Besichtigung einer von Napoleon gebauten Kirche und ihrem geschichtlichen Hintergrund. Den Rest des Tages konnten wir frei gestalten. Manche gingen noch mit ihren Austauschschülern zum Flohmarkt in die Innenstadt von Tel Aviv.
Tag 8 – Erste Abschiedstränen
Heute konnte jeder etwas mit der Familie der Gastgeber unternehmen. Trotzdem trafen sich alle in Tel Aviv. Am Abend gab es eine Party, die auch eine Abschiedsfeier war. Alle hatten etwas Kleines vorbereitet. Sowohl die deutschen als auch die israelischen Schüler tanzten etwas vor, es gab Powerpoint-Präsentationen vom Austausch, Musik wurde gemacht, und es wurden kleine Reden gehalten. Die Solinger Gruppe sang noch zwei Lieder, und auch Lehrer Michael Sandmöller brachte ein Ständchen. Zwischendurch gab es – wie erwartet – Falafel. Und: Es flossen schon ein paar Abschiedstränen.
Tag 9 – Totes Meer und Dromedar
Trotz Abschiedsstimmung war der letzte Tag richtig schön. Es ging in die Wüste nach Masada – eine alte Festung auf einem Berg. Und wir fuhren ans Tote Meer. Der Salzgehalt liegt bei über 30 Prozent. Darum geht man im Wasser nicht unter. Als alle vom „Schwimmen“ und vom Entspannen im Schwefelbad wiederkamen, gab es einen letzten Halt an einer Tankstelle. Sie war aber nicht der Grund, warum der Bus hielt, sondern ein Dromedar, auf das sich jeder setzen konnte, um Fotos zu machen. Den letzten Abend verbrachten wir in einem der vielen Parks von Ness Ziona und genossen das Beisammensein mit den Menschen, die wir erst seit ein paar Tagen kannten und die für uns trotzdem schon eine Art Familie waren.
Tag 10 – Freundschaften fürs Leben
Der Abschied fiel uns allen sehr schwer: Trotz der großen Entfernung sind sich fast alle sicher, einander wiederzusehen. Manche wollen bald wieder nach Ness Ziona. Denn dafür ist ein Schüleraustausch da: um Erfahrungen zu sammeln und Freundschaften zu schließen, die fast ein ganzes Leben lang halten.