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Dicke Katze liebt Kochrezepte
OX-FANZINE AKTUELLE AUFLAGE 12 000 GEGRÜNDET von Joachim Hiller und Biggi Häußler, Fanzine für Fans von Punkrock, Hardcore, Rock’n’Roll. Mit Interviews mit Bands und Labels, von denen die Autoren „Fans“ (= Fanzine) sind. Mit Kolumnen, Konzert-, Szene-, Tourberichten, Rezensionen, viel Vinyl, auch Singles. Die Feier zur 100. Ausgabe am Samstag in der Cobra ist seit Januar ausverkauft. www.ox-fanzine.de Das Heft hat seinen seltsamen Namen von der dicken Katze der Ox-Mitbegründerin Biggi. Die hieß eben Ox. Und entsprechend war die Katze auch der Coverstar (lacht). Das war sinnfrei – aber wir waren ja noch jung. In der Punk-Szene ist die „Do-it-yourself“-Haltung wichtig. Das heißt: Man gründet selbst eine Band, anstatt nur auf Konzerte gehen. Man kauft nicht nur Platten, sondern bringt selber Platten raus, wenn auch nur auf einem kleinen Label. Und in unserem Fall wollten wir nicht nur Magazine oder Fanzines konsumieren, sondern wir dachten: Wir machen selber eins! Es geht um das große Thema „Bürgerbeteiligung“, von der so oft die Rede ist. Man konsumiert nicht von oben Vorgegebenes, sondern bringt sich selbst ein. Das geschah in den 80ern etwa in Form von Bürgerradio und Fanzines, heute bringen sich Menschen im Internet ein über Blogs, Kommentare und soziale Netzwerke. Letztlich ist das der Sinn eines Fanzines: Nicht nur die Meinung des großen, „wichtigen“ Rezensenten ist wichtig. Jedem wird die Fähigkeit zugesprochen, sich zu einem musikalischen Thema zu äußern. Streng genommen ist das Ox-Fanzine kein Fanzine mehr, sondern ein Magazin. Es wird gedruckt anstatt kopiert. Andererseits ist die Art, wie wir das Ox machen, eben nach wie vor quasi für ein Fanzine. Es ist sehr kleinteilig, jeder kann mitmachen. Solange die Artikel formalen Ansprüchen entsprechen, werden sie veröffentlicht. Hinzu kommt der Mut der Schreiber und Schreiberinnen, sehr subjektiv zu sein. Ein klassisches Element von Fanzines ist die große Sektion mit den Kolumnen, in denen die Leute aus ihrem Alltag erzählen. Es geht darum, ein selbstbestimmtes Leben zu leben. Vegetarismus – was viele nicht wissen – hat Ursprünge in der Punk- und Hardcore-Szene der 80er Jahre. Wir sind damals zu Hause ausgezogen und mussten kochen lernen. So haben wir ab der ersten Ausgabe vegetarische Rezepte gedruckt, was irgendwie total uncool war, aber viele Leute fanden es dann doch praktisch und cool. Wir haben ein bisschen kokettiert mit den Inhalten von Frauen-Zeitschriften: Wir haben Rezepte in ein Magazin für „harte, laute, hässliche“ Musik genommen. Aus der Rezept-Seite hat sich ein Schnellhefter entwickelt mit zusammenkopierten Rezepten, dann sagte ein Bekannter: Gib uns doch mal ein paar Schnellhefter zum Verkaufen für unseren kleinen Schallplattenversandhandel. Die waren schnell vergriffen, so entstand die Idee für ein Kochbuch. Von dem ersten „Ox-Kochbuch“ haben wir 500 Stück drucken lassen. Inzwischen liegen wir bei einer Auflage von über 20 000 Stück. Bei Amazon sind wir unter den vegetarischen Kochbüchern oft unter den Top 5. Und im letzten Jahr waren wir in der Bild-Zeitung. Es ging um Deutschlands fünf beliebteste vegetarische Kochbücher, und plötzlich riefen mich Leute an: Ihr seid in der Bild-Zeitung! Ich: Was? Ist ja ekelhaft! (lacht). Das hat ethische, ökologische, gesundheitliche und politische Gründe. Fleisch kommt bei uns nicht in die Pfanne. Der Verzicht auf Fleisch ist ein politischer Akt. Und Punk ist politisch. Das Ox ist kein politisches Magazin, aber politische Themen tauchen in den Interviews auf, wir stehen ganz klar links von der Mitte, mit Extremen haben wir aber nichts am Hut. Da ist Vegetarismus ein wichtiges Statement. Angefangen haben wir mit einer Schreibmaschine und einem einfachen Drucker. Computer waren damals nicht verbreitet. Wir haben die Artikel im Kopierladen zusammenkopiert, zurechtgeschnitten und auf Papier geklebt. So haben wir unser Layout gemacht. Wir haben diese Seiten in der Druckerei drucken lassen. Andere Fanzines haben nur mit den Kopien gearbeitet. Wir sind schon Anfang der 90er auf Computer umgestiegen. Auch das ist so eine Sache, die mit Punk zu tun hat: All diese Produktionsprozesse waren früher eine Art Geheimwissenschaft. Die Computertechnik war für unsereins eine Riesenchance, alles selbst zu machen. Eigentlich nicht, denn es war eine Scheiß-Arbeit (lacht). Am Küchentisch sitzen mit der Schere am Schneidebrett, mit dem Klebestift die Seiten zusammenfummeln und aufkleben: Ne! Man könnte glorifizieren. Klar, alte Fanzines haben ihre eigene Ästhetik, die heute auf digitalem Wege künstlich erzeugt wird. |
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