POPKULTUR Manga- und Anime-Fans stürmen Räumlichkeiten des Gymnasiums Schwertstraße.
Von Gina Käding
Was war denn im Gymnasium Schwertstraße los? Der Ort, an dem sonst gepaukt wird, verwandelte sich am Wochenende zur Anlaufstelle für alle Manga- und Animefans der Umgebung. Die Manga-Convention „Runeko“ feierte Premiere und entpuppte sich als Erfolg auf ganzer Linie.
Da war für jeden etwas dabei. Wer sich mit Fanartikeln eindecken, an Ständen informieren oder ein auffälliges Kostüm präsentieren wollte, kam hier ohnehin auf seine Kosten. Doch auch auf alle, die etwas dazulernen wollten, warteten Workshops wie ein Crashkurs in Japanisch oder ein Kurs beim Zeichner David Füleki.
Auch ein „Synchronisations-Workshop“ lud ein: Sebastian Rohrbach war dabei. Schüchtern schaute er auf den riesigen Bildschirm vor seiner Nase. Noch 3, 2, 1… Sprechen! „Ach komm, du hast doch mit dem ganzen Mist angefangen. Jetzt tu mal nicht so scheinheilig, kapiert?“, rief er entrüstet ins Mikro. „Das war schon gut!“, lobte die Workshopleiterin. „Versuche, auf der nächsten Aufnahme noch ein bisschen wütender zu klingen!“
Der 16-Jährige und etwa 40 weitere Teilnehmer haben sich für den „Synchro-Workshop“ entschieden: Sie wollten ihrem Lieblingsanime die eigene Stimme verleihen. „Es ist total ungewohnt, seine eigene Stimme im Anime zu hören. Ich war auch nervös, aber es hat viel Spaß gemacht“, so der aus Hückeswagen angereiste Sebastian, nachdem sich die Gruppe den gemeinsam synchronisierten Clip aus der Serie „Hatsukoi Limited“ angesehen hatte. Geleitet wurde der Kurs von Mitgliedern der „Crash Dub Studios“: Das ist eine Gruppe von Jugendlichen, die online so genannte „Fandubs“ - eine neue Tonspur für ihre Lieblings-animes - erstellen.
Convention entstand aus der Begeisterung junger Manga-Fans
Die Idee, Solingen eine eigene Convention zu verschaffen, sei vor etwa zwei Monaten entstanden, erzählt Christina Rempel (17) aus dem Organisationsteam. Junge Fans der japanischen Popkultur haben das Projekt mit Nadine Jung, Besitzerin vom Manga- und Anime-Shop „Rune“, verwirklicht. „Da geht es um die Faszination, aus sich herausgehen zu können“, beschreibt Christiane Becker (20) aus dem Organisationteam die Begeisterung, die viele Jugendliche dazu bewegt, aus ihrem Alltag auszubrechen, sich zu verkleiden und in die Rolle ihrer Lieblingscharaktere zu schlüpfen („Cosplay“). Nadine Jung vom „Rune“-Shop an der Wupperstraße, der längst zur zentralen Anlaufstelle für Manga- und Animefans geworden ist, sieht das ähnlich: „Viele der Jugendlichen haben Fernweh. Dazu kommt, dass sie alle eine große Gemeinde sind.“
Die Resonanz ist groß: Bereits am Samstagnachmittag waren rund 400 Besucher auf der „Runeko“. „Danke an das Team, das Gymnasium Schwertstraße und die Stadt Solingen. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen“, betont Nadine Jung. Die Beteiligten wünschen sich, die Convention schon im kommenden Winter wiederholen zu können.