Ich sitze im vollen Bus, viele Kinder fahren mit. Da zückt ein Mann sein „Feierabendbier“ und trinkt es – als sei das ganz selbstverständlich. Niemand schenkt ihm Beachtung. Offenbar, weil es normal ist. Sicherlich kann sich kaum ein Erwachsener davon frei machen, schon einmal Alkohol in der Öffentlichkeit konsumiert zu haben. Aber vielleicht sollten wir an die Kinder denken: Daran, dass sie mit dem Bild aufwachsen, dass Alkoholkonsum in Deutschland völlig normal ist und fast immer und überall toleriert wird. Daran, dass die Empörung darüber groß ist, dass sich Jugendliche am Rosenmontag krankenhausreif betrunken hatten. Man muss ja nicht gleich ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit verhängen wie in Amerika. Aber es ist doch nicht zu viel verlangt, ein wenig über die eigene Vorbildfunktion nachzudenken. Da können wir locker aufs Feierabendbier verzichten. Von Marina Dirks