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„Ein hervorragendes Boll-Werk“
Von Thomas Kraft Freiheit. Dieses kostbare Gut hat ST-Verleger Bernhard Boll (62) und seiner Zeitung immer besonders am Herzen gelegen. „Denn Freiheit ist wie ein Muskel“, sagt er. „Wenn man nichts für sie tut, kann man sie leicht verlieren.“ In 200 Jahren Solinger Tageblatt hat Freiheit oft eine wichtige Rolle gespielt – so auch gestern beim großen Festakt im Theater. Denn mit seinen rund 120 fest angestellten Mitarbeitern sowie etwa 600 weiteren geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur nahm sich der Verlag B. Boll die Freiheit, das 200-jährige Verlagsjubiläum ausgiebig zu feiern. „Das ist ein Moment des Innehaltens und des Zurückblickens“, sagte Bernhard Boll im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein (Das aktuelle Sportstudio). „Solch einen Augenblick lass’ ich nicht einfach so vorbeiziehen.“ Und der Verleger hielt Wort. In den folgenden drei Stunden beeindruckte er die geballte Prominenz mit einem Programm, das man in Solingen nicht alle Tage sieht. Verfassungsrichter und Gastredner Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio war derart hingerissen, dass er sich eine Fernsehübertragung von dieser Veranstaltung gewünscht hätte. In seinen Ausführungen über „Presse und Demokratie“ griff Di Fabio den Freiheitsgedanken Bernhard Bolls nahtlos auf. Der Jurist stellte die Wächterfunktion der Tageszeitung heraus. Diese sei im Zeitalter der medialen Revolution wichtiger denn je. Statt der billigen und zusammenhanglosen Informationshäppchen des Internets liefere die Tageszeitung Tiefenanalysen von Nachrichten. Ohne Presse sei eine verschachtelte Demokratie mit ihren unübersichtlichen Abläufen kaum zu verstehen. Die Journalisten vereinfachten und übersetzten das Geschehen so, dass es für jedermann bekömmlich sei. „Die Ausbildung von Journalisten ist ein tragendes Fundament der Demokratie.“ Denn wo jederzeit Recherche und Veröffentlichung drohten, würden Hinterzimmergeschäfte zur riskanten Angelegenheit. Daher warnte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers angesichts der Probleme, in denen viele Verlage stecken, vor einem Denkfehler: „An Journalisten zu sparen, um Zeitungen zu retten, erscheint mir genauso sinnvoll, wie die Wohnung zu heizen, indem man die Möbel verbrennt.“ Das ST sieht Rüttgers auf gutem Wege. Anspruchsvolle lokale Berichterstattung bleibe auch künftig unverzichtbar. „Die Solinger wissen, dass Sie für ihre Freiheit kämpfen“, lobte der Ministerpräsident das Tageblatt. „Ich gratuliere zu Ihrem hervorragenden Boll-Werk.“ Rüttgers versprach, alles zu tun, um unabhängige Verlage zu stärken. Bernhard Boll, der eben dafür eintritt, wird den Landesvater daran erinnern. Auf der Suche nach den Gründen für die Unverwüstlichkeit des Solinger Tageblatts landete Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein beim Begriff Glaubwürdigkeit. „Ich fühle mich als lebendiger Markenartikel“, sagte Bernhard Boll. Und er sieht das als Verpflichtung. Als Verpflichtung, weiter „den Finger in die Wunden zu legen und auch mal publizistisch zuzuschlagen“, wie es Verlagsleiter und Chefredakteur Stefan M. Kob formulierte. Dann ist Michael Boll nicht bange: „Ich glaube fest an die Zukunft der gedruckten Zeitung.“ |
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