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      06.02.2010 10:26
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      Blind mit den Fingern nach Knoten tasten

      Von Anika Luckei

      Die Diagnose traf Marie-Luise Voll unerwartet. Eigentlich war die damals 50-Jährige nur zum Augenarzt gegangen, weil sie eine neue Brille brauchte, doch nach der Untersuchung stand fest: Die Wuppertalerin hat Grünen Star - eine schwere Erkrankung der Sehnerven, die zur Erblindung führen kann.

      Mitte 50 und blind hatte sie kaum Hoffnung auf einen neuen Job

      Für Marie-Luise Voll, die in ihrer Freizeit stundenlang in der Uni-Bibliothek schmökerte, eine Katstrophe.

      DISCOVERING HANDS

      METHODE

      Bisher wurden zehn blinde Frauen nach der „discovering hands“-Methode zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) ausgebildet, elf weitere sind in der Ausbildung. Die Methode basiert darauf, dass Blinde einen sensibleren Tastsinn haben als sehende Menschen. Daher können die MTU Veränderungen in verschiedenen Ebenen der weiblichen Brust – von den obersten Hautschichten bis zum Knochen – genau lokalisieren. Die Bewertung des Befundes übernimmt der Arzt.

      KOSTEN

      Die Untersuchung ist keine Kassenleistung, sie kostet rund 30 Euro.

      Medikamente verlangsamen zwar den Krankheitsverlauf, doch ihre Sehkraft lässt immer mehr nach, bis sie schließlich selbst mit einer Lupe nicht mehr lesen kann. Ihren Beruf als Krankenschwester muss sie 2006 aufgeben. Die Arbeitsagentur schickt sie zur Reha ins Berufsförderungswerk Düren, eine Einrichtung für blinde und sehbehinderte Menschen.

      Dort lernt sie, mit ihren Fingern die Blindenschrift zu lesen und mit ihrem Handicap umzugehen. Dort hört sie von einem Pilotprojekt, bei dem blinde Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) für die Brustkrebsvorsorge ausgebildet werden. Neun Monate dauert das: Die Tasterinnen lernen kleinste Auffälligkeiten im Brustgewebe zu ertasten. Entwickelt wurde die Methode von dem Duisburger Gynäkologen Frank Hoffmann, der als Projektleiter in seiner Praxis auch einen Praktikumsplatz zur Verfügung stellt.

      Im Mai 2008 hat die Wuppertalerin ihren ersten Arbeitstag in der Gemeinschaftspraxis und wird schnell zu einer Institution. Aus ganz NRW kommen Frauen, um sich von Mary-Lou, wie ihre Kollegen sie liebevoll nennen, abtasten zu lassen. Mittlerweile ist sie fest angestellt, lebt unter der Woche in einem Apartment über den Praxisräumen. „Anfangs bin ich noch gependelt, aber das ging irgendwann nicht mehr.“

      Mit Zeige- und Mittelfinger tastet sie mit sanftem Druck Zentimeter für Zentimeter das Gewebe ab. Dabei orientiert sie sich an Klebestreifen, die die Brust in verschiedene Zonen einteile. „So wird genau dokumentiert, wo ich was gefühlt habe“, erklärt Marie-Luise Voll. Denn, darauf besteht sie, „ich stelle keine Diagnosen. Das macht der Arzt.“

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