DÜSSELDORF Zwei Profi-Sportlerinnen bringen mutigen Frauen bei, wie man besser Mountainbike fährt.
Von Lilian Muscutt
Dicke Wurzeln schlängeln sich über den schmalen, feuchten Weg, der sich über Hügel windet und zwischen zwei Bäumen steil nach unten führt. Dieses Stück mit dem Mountainbike zu fahren, ist keine einfache Sache. Schon gar nicht, wenn Schneeflocken fallen und Waldboden samt Wurzeln rutschig werden lassen.
Es ist Mittag, knapp null Grad, und zehn Mountainbikerinnen begutachten kritisch diesen schwer zu fahrenden Weg in einem Wald bei Gerresheim. Indes informieren zwei Frauen in Blumen-Trikots über Schwerpunktverlagerung, Bremsverhalten und einem günstigen Winkel, in eine Kurve zu fahren.
Frauen haben den von Männern dominierten Sport entdeckt
Die beiden sind die Profi-Fahrerinnen Sonja Granzow (30) und Anja Jerenko (33) vom Team „Power Flower“. An diesem Tag leiten die mehrfachen deutschen Meisterinnen in den Mountainbike-Disziplinen Four Cross und Downhill ein Fahrtechnik-Seminar für Frauen. Viele haben den boomenden und von Männern dominierten Sport, der intensive Naturerlebnisse verspricht, für sich entdeckt.
„Es ist etwas ganz anderes, Informationen von Frau zu Frau weiterzugeben“, erklärt Anja Jerenko, „Frauen wollen sich in der Regel sicher fühlen“.
Für Sicherheit beim Fahren ist technisches Können Voraussetzung - etwa, wenn eine scharfe Kurve naht, ein plötzliches Hindernis wie ein Baumstamm im Weg liegt oder der Weg unerwartet steil bergab geht.
Was zu tun ist, lernen die Mountainbikerinnen in dem knapp fünf Stunden langen Seminar anfangs bei Trocken-Übungen auf dem Parkplatz, später auf ausgesuchten Strecken im Wald. „Beim Mountainbiken geht es häufig um die richtige Schwerpunktverlagerung“, erläutert Sonja Granzow. Bergauf sollte die Fahrerin sich nach vorne beugen und das Gewicht nach vorne verlagern, bei einer steilen Bergab-Fahrt heißt es „Po nach hinten“, wobei das Vorderrad weiter belastet werden muss, damit es nicht unkontrolliert herumhüpft.
Daran halten sich die Mountainbikerinnen, als sie das steile Stück bergab fahren - auch wenn es zu kleinen Stürzen kommt, schallt lautes Lachen durch den Wald, und die Fahrt geht weiter.
Durch Stürze können aber auch Hemmungen entstehen. Das weiß Simone Klein (29), die gerne mit ihrem Freund fährt. Mit einer besseren Fahrtechnik möchte sie nicht nur für schmalere, anspruchsvolle Single-Trails gerüstet sein: „Ich bin einmal geflogen, und seitdem habe ich Angst.“ In dem Seminar hofft sie, diese Angst zu überwinden.