23.02.2012 14:23
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Euro-Schuldenkrise halbiert Allianz-Gewinn

München (dpa) - Die Euro-Schuldenkrise hat Europas größtem Versicherer Allianz das Jahr 2011 vermasselt. Unter dem Strich verdiente der Konzern 2,5 Milliarden Euro und damit nur halb so viel wie 2010. Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen und Aktien kosteten die Allianz fast zwei Milliarden Euro.

Die Dividende soll dennoch konstant bleiben. Auf das laufende Jahr blickt Vorstandschef Michael Diekmann mit gemischten Erwartungen. Allerdings schaut er sich wieder offensiver nach Übernahmegelegenheiten um. Banken als Kaufziele schloss Diekmann jedoch kategorisch aus.

Das eigentliche Geschäft mit Versicherungen und Vermögensanlagen lief trotz Rekordschäden aus Naturkatastrophen nicht schlecht. Im für die Versicherungsbranche teuersten Jahr aller Zeiten bezahlte die Allianz an ihre Kunden 1,8 Milliarden Euro für Schäden aus Erdbeben, Überschwemmung und Stürme aus, rund 500 Millionen mehr als 2010. In der Schaden- und Unfallversicherung konnte das operative Ergebnis dennoch mit 4,2 Milliarden Euro fast konstant gehalten werden. Bei der Lebens- und Krankenversicherung gingen die Prämieneinnahmen allerdings um gut sieben Prozent zurück. In der Vermögensverwaltung legten die Anlagen um neun Prozent auf 1,7 Billionen Euro zu. Zur Allianz gehört unter anderem der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco.

Ein unmittelbarer Einfluss des Allianz-Gewinns auf die Rendite der Lebensversicherungen besteht nicht, allerdings leiden diese unter dem allgemein niedrigen Zinsniveau.

Auf Aktien und griechische Staatsanleihen musste der Finanzkonzern 1,9 Milliarden Euro abschreiben. Den Wert ihrer Griechenland-Papiere korrigierte die Allianz im vierten Quartal erneut nach unten: Statt mit knapp 40 Prozent stehen sie jetzt noch mit 24,7 Prozent des Nennwerts in den Büchern - das entspricht gerade noch 310 Millionen Euro.

Insgesamt hielt die Allianz 147,9 Milliarden Euro an Staatsanleihen. Mit 26,1 Milliarden Euro entfielen hiervon sechs Prozent auf Italien. Das Engagement betrachtet Diekmann weiter als sicher. «Eigentlich wäre es sogar vernünftig, das Engagement hier weiter zu erhöhen», sagte der Vorstandschef. Die Allianz tue dies nur deshalb nicht, um ihre Investoren nicht zu beunruhigen, die dies anders sähen.

Insbesondere wegen der rückläufigen Prämieneinnahmen im Lebensversicherungsgeschäft im Vergleich zum Rekordjahr 2010 sank der Umsatz um knapp drei Prozent auf 103,6 Milliarden Euro. «2011 war ein schwieriges Jahr», räumte Diekmann ein. Mit einer Dividende bei konstant 4,50 Euro je Aktie will die Allianz-Führung dennoch Stärke beweisen und lässt sich das gut 80 Prozent des Nettogewinns kosten. Der Aktienkurs stieg bis zum Nachmittag um 0,84 Prozent auf 90,57 Euro.

Bei den Prognosen blieb Diekmann vorsichtig. «Wir werden 2012 wieder heiß und kalt erleben», sagte er. Für das zweite Halbjahr erwartet er eine leichte Besserung. Dadurch will er den operativen Gewinn des Konzerns wieder auf das Niveau von 2010 hieven. Damals waren es 8,2 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr wurden lediglich 7,9 Milliarden Euro erreicht.

Vor allem bei der Schaden- und Unfallversicherung, Geschäftsbereichen wie Industrieversicherung, Kreditversicherung oder Versicherungskooperationen mit Autoherstellern schaut sich Diekmann nach möglichen Übernahmegelegenheiten um. «Banken kommen nicht infrage», sagte er. Die Beteiligung an der Commerzbank hatte die Allianz im vergangenen Jahr eine Menge Geld gekostet. Den Wert ihrer Beteiligung musste sie um 520 Millionen Euro nach unten korrigieren, davon 136 Millionen im vierten Quartal.