19.02.2012 20:05
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Schalke demontiert Magath-Elf - Unnerstall fällt aus

Gelsenkirchen (dpa) - Missmutig rührte Felix Magath in seinem grünen Tee und trank nur einen kleinen Schluck. Die 0:4-Klatsche bei seinem Ex-Club Schalke 04 war dem Trainer des VfL Wolfsburg sichtlich auf den Magen geschlagen.

«Es war sehr enttäuschend. Es hat sich wieder mal gezeigt, dass wir nach dem ersten Tor aufgehört haben, zu verteidigen», knurrte der Coach, der einige Tage zuvor noch getönt hatte, dass die Schalker Leistungen zu einem großen Teil seiner früheren Einkaufspolitik zu verdanken seien. Davon wollte er am Sonntagabend nichts mehr wissen. «Ich habe keinen Anteil am Schalker Sieg. Außer, dass wir gute Gäste waren.»

Ausgerechnet seine Königstransfers Raúl (10.) und Klaas-Jan Huntelaar (15.) leiteten mit ihren frühen Treffern die herbe Pleite ein und verdarben Magath gründlich die Laune. Für die Schalker Fans unter den 60 511 Zuschauern in der Arena war es dagegen ein Festtag. «Nie mehr Felix Magath» und «Magath raus» skandierten sie ausgelassen.

Dafür feierten sie Raúl für dessen 400. Karriere-Treffer ebenso frenetisch wie Huntelaar, dem nach Matips 3:0 (49.) sogar noch sein 18. Saisontor (72.) gelang. Damit zog der Niederländer mit Bayern-Profi Mario Gomez gleich und kann sich Hoffnungen auf die Torjägerkanone machen. «Für mich ist der Sieg der Mannschaft wichtig. Ich wusste nicht, dass es mein 400. Tor war», sagte Raúl bescheiden. Noch drei Tage zuvor hatte der Spanier beim mageren 1:1 in Pilsen total enttäuscht, wirkte wegen einer Oberschenkelverletzung gehandicapt. «Jetzt geht es wieder besser. Ich glaube, dass hat man heute an meiner Leistung und der der Mannschaft gesehen.»

Christoph Metzelder, der im TV-Interview für Raúl übersetzte, war ebenfalls bester Stimmung. Das mit 28 Punkten nun beste Heimteam der Bundesliga kann den Rekordmeister dann sogar vom dritten Tabellen-Platz verdrängen.

Die Wolfsburger schlichen nach der fünften Auswärtsschlappe in Serie deprimiert aus der Arena. «Das war nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Wir haben es dem Gegner viel zu leicht gemacht», monierte Schlussmann Diego Benaglio, der mit Abstand beste VfL-Akteur. In der 36. Minute parierte der Schweizer einen von Huntelaar getretenen Handelfmeter und verhinderte mit zahlreichen weiteren Glanzparaden ein völliges Debakel.

Großes Pech hatte dagegen sein Schalker Torwartkollege Lars Unnerstall, der zunächst mit Verdacht auf Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht werden musste. Nur einige Stunden stand die deprimierende Diagnose fest. Unnerstall erlitt eine Schultereckgelenksprengung und wird wohl monatelang fehlen.

Gut für Schalke, dass in Ex-Nationaltorhüter Timo Hildebrand ein verlässlicher Ersatz da ist. «Es ist schon etwas besonders, in der Bundesliga zu spielen. Das ist etwas anderes als in der Europa League in Haifa, wenn es um nichts mehr geht», sagte der zur 2. Halbzeit eingewechselte Hildebrand nach seinem ersten Punktspiel seit seinem Abschied aus Hoffenheim vor fast zwei Jahren.

Nach seiner relativ ruhigen Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne freut sich Hildebrand nun auf das Kräftemessen mit den Bayern. «Da werde ich sicher mehr zu tun bekommen.» Stevens und Heldt sind froh, dass sie Hildebrand nach dem Kreuzbandriss der eigentlichen Nummer 1, Ralf Fährmann, als Absicherung verpflichtet hatten. «Es war gut, ihn zu holen», sagte Trainer Huub Stevens, der sich über den Sieg mächtig freute. «Die Tore sind zum richtigen Zeitpunkt gefallen. Wolfsburg war ein dankbarer Gegner.»

Für Aufregung neben dem Platz sorgte das Gerücht, Heldt habe seinem Vorgänger Magath vor der Partie den Handschlag verweigert. «Das ist komplett falsch. Ich begrüße meine Gäste immer. Mehr möchte ich dazu nicht sagen», meinte Heldt, der jegliche Schadenfreude nach dem Erfolg vermied. «Es war eine schöner und wichtiger Sieg. Wir standen unter Druck. Besonders hat mich die Art und Weise gefreut. Die Mannschaft hat heute Einsatzwillen und Kampf, aber auch viele spielerische Momente gezeigt.»